Vitamin D. Magnesium. Eisen. Zink. Omega 3. B-Vitamine. Probiotika.
Viele Menschen nehmen heute ganz selbstverständlich Nahrungsergänzungsmittel. Weil sie gehört haben, dass sie wichtig sind, bei bestimmten Beschwerden helfen können oder weil sie ihrem Körper einfach etwas Gutes tun möchten.
Und der Gedanke dahinter ist richtig: Wir möchten unseren Körper unterstützen und gut für uns sorgen.
Aber lasst uns noch einen Schritt weiter gehen.
Denn aus Sicht der chinesischen Medizin ist nicht nur entscheidend, was wir unserem Körper zuführen, sondern auch:
Was kann unser Körper aus dem machen, was wir ihm geben?
Und genau hier kommt die Milz ins Spiel.
Die Milz muss aus Nahrung etwas machen
Die Milz steht in der chinesischen Medizin für einen ganzen Funktionskreis. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist es, das, was wir essen und trinken, aufzunehmen und zu transformieren und daraus die Grundlage für Qi und Blut bereitzustellen.
Wir beschäftigen uns heute sehr viel mit einzelnen Nährstoffen:
Vitamin C. Magnesium. Eisen. Zink. B-Vitamine.
Die chinesische Medizin betrachtet Nahrung anders.
Ein Apfel ist nicht einfach Vitamin C, Kalium und Ballaststoffe. Ein Lebensmittel besitzt einen Geschmack, eine thermische Wirkung und wirkt auf bestimmte Funktionskreise.
Süß. Sauer. Bitter. Scharf. Salzig.
Mit einem natürlichen Lebensmittel nehmen wir eine ganze Zusammensetzung verschiedener Stoffe und Wirkungen zu uns.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln machen wir häufig das Gegenteil: Wir extrahieren einzelne Bestandteile, konzentrieren sie und nehmen sie als Kapsel, Tropfen oder Pulver ein.
Und auch diese muss unser Körper aufnehmen und verarbeiten.

Was, wenn deine Milz bereits geschwächt ist?
Völlegefühl, weicher Stuhl, Blähungen, Müdigkeit nach dem Essen, Schweregefühl oder ein benebelter Kopf können aus Sicht der chinesischen Medizin Hinweise darauf sein, dass die Milz Nahrung nicht mehr optimal transformiert.
Aber es muss sich nicht immer so offensichtlich in der Verdauung zeigen.
Vielleicht ernährst du dich eigentlich nährend und entwickelst trotzdem Zeichen eines Mangels. Du isst zum Beispiel regelmäßig Fleisch und andere nährende Lebensmittel – und trotzdem ist dein Hämoglobin niedrig oder du zeigst aus Sicht der chinesischen Medizin Zeichen eines Blut-Mangels.
Dann stellt sich nicht nur die Frage:
Bekomme ich genug?
Sondern auch:
Kann mein Körper das, was ich esse, überhaupt ausreichend aufnehmen und verwerten?
Manchmal geht Nahrung bildlich gesprochen einfach „durch“, ohne dass die Mitte ausreichend aus ihr gewinnen kann.
Und wenn die Milz bereits Schwierigkeiten hat, unsere tägliche Nahrung zu transformieren, können immer mehr Pulver, Kapseln und hochkonzentrierte Präparate zusätzliche Arbeit bedeuten.
Eine geschwächte Milz braucht nicht unbedingt mehr. Sie braucht Unterstützung dabei, wieder besser mit dem arbeiten zu können, was wir ihr geben.
Brauchen wir wirklich all diese Präparate?
An dieser Stelle lohnt sich auch ein kritischer Blick darauf, wie selbstverständlich Nahrungsergänzungsmittel inzwischen geworden sind.
Hinter Vitaminen, Pulvern, Kapseln und sogenannten Superfoods steht eine riesige Industrie, die sehr viel Geld damit verdient, dass wir immer wieder etwas Neues kaufen.
Für fast jedes Problem gibt es das nächste Präparat.
Dabei gerät eine viel grundlegendere Frage schnell in den Hintergrund:
Wie können wir unseren Körper so ernähren und unterstützen, dass er langfristig möglichst gut selbst arbeiten kann?
Selbstfürsorge bedeutet nicht unbedingt, immer mehr zu kaufen und unserem Körper immer mehr zuzuführen.
Sondern zu verstehen, was unser Körper wirklich braucht, ihn entsprechend zu ernähren und seine eigenen Funktionen zu unterstützen.
Denn genau darum geht es bei nachhaltiger Gesundheit.
Nahrungsergänzungsmittel sind nicht grundsätzlich schlecht
Natürlich können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.
Ein nachgewiesener Mangel kann gezielt und zeitlich begrenzt ausgeglichen werden. Vitamin D kann beispielsweise gerade in sonnenarmen Monaten sinnvoll sein. Auch bestimmte Lebensphasen, Erkrankungen oder Ernährungsformen können eine Ergänzung notwendig machen.
Ein Präparat kann also durchaus eine sinnvolle kurzfristige Lösung sein.
Aber die langfristige Frage lautet:
Warum fehlt dieser Stoff überhaupt?
Denn wenn wir uns abwechslungsreich und nährend ernähren, bekommt unser Körper über Nahrung bereits eine große Vielfalt an Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Bestandteilen.
Vorausgesetzt, wir können sie aufnehmen und verarbeiten.
Und vorausgesetzt, wir essen tatsächlich das, was unser eigener Körper braucht.
Denn „gesund“ ist aus Sicht der chinesischen Medizin nicht für jeden dasselbe.
Ein Mensch mit viel Kälte braucht etwas anderes als jemand mit Hitze. Ein Körper mit Feuchtigkeit braucht etwas anderes als ein trockener Körper. Und eine geschwächte Milz braucht etwas anderes als eine starke Mitte.
Darum geht es bei Ernährung nicht nur darum, möglichst viele „gesunde“ Lebensmittel oder Nährstoffe zu sich zu nehmen.
Sondern darum, den eigenen Körper und seine Muster verstehen zu lernen.
Einen Schritt zurücktreten
Wenn du bereits verschiedene Nahrungsergänzungsmittel einnimmst und trotzdem das Gefühl hast, dass es dir nicht wirklich besser geht, frage dich nicht nur:
Was könnte mir noch fehlen?
Sondern auch:
Wie funktioniert meine Verdauung?
Wie fühle ich mich nach dem Essen?
Was braucht meine Mitte?
Und kann mein Körper aus dem, was ich ihm gebe, überhaupt ausreichend etwas aufbauen?
Aber auch: Was braucht mein Körper als Ganzes?
Denn die Milz muss zwar das transformieren, was wir essen und trinken – aber unsere Ernährung sollte sich nicht nur nach der Milz richten.
Sind die Nieren geschwächt, braucht der Körper eine andere Unterstützung. Ist die Leber überfordert oder stagniert das Leber-Qi, kann wiederum etwas anderes wichtig sein. Besteht Hitze, Kälte, Trockenheit oder Feuchtigkeit, verändert auch das, was für diesen Menschen gerade nährend und passend ist.
Genau deshalb gibt es in der chinesischen Medizin nicht die eine gesunde Ernährung für alle.
Es geht darum, die verschiedenen Disharmonien und Muster des eigenen Körpers zu verstehen und die Ernährung daran anzupassen.
Denn einen fehlenden Stoff aufzufüllen ist etwas anderes, als zu verstehen, warum dein Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist und was er wirklich braucht.

Und die Milz verdaut noch viel mehr
In der chinesischen Medizin „verdaut“ die Milz nicht nur unsere Nahrung.
Sie muss auch aufnehmen, verarbeiten und integrieren, was uns auf einer ganz anderen Ebene begegnet: Gedanken, Wissen, Gelerntes und all die Eindrücke, die jeden Tag auf uns einströmen.
Auch hier lohnt es sich deshalb, einmal hinzuschauen:
Was verlangen wir eigentlich alles von unserer Milz?
Wir erwarten von ihr, dass wir klar denken, uns konzentrieren, ständig Neues aufnehmen und verarbeiten – während der körperliche Nährboden vielleicht längst nicht mehr trägt.
Und manchmal werfen wir ihr auch im Leben riesige Brocken hin, die sie irgendwie „verdauen“ soll: zu viele Informationen, zu viele Gedanken, zu viel auf einmal.
Auch hier braucht die Milz nicht immer mehr Input. Sie braucht einen guten Nährboden und die Möglichkeit, das, was bereits da ist, aufzunehmen und zu verarbeiten.
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